9-tägige Trekkingtour in der Pfalz (Teil 1)

Für uns war klar: Wenn ein Hund in unser Leben einzieht, dann gestalten wir unseren Urlaub auch so, dass er daran teilnehmen kann. Unser diesjähriger Urlaub sollte also nicht nur für uns Erholung schaffen, sondern uns dreien eine schöne Zeit gemeinsam schenken. Eine Reise ins Ausland kam für uns nicht in Betracht, zumindest nicht in diesem Jahr.

Da wir schon seit längerer Zeit mit einer Mehrtageswandertour geliebäugelt hatten, auf der wir mit Zelt unterwegs sein wollten, haben wir uns kurzerhand entschlossen, diesem lang gehegten Traum nun endlich nachzugehen. Auf der Suche nach einer geeigneten Route mit Möglichkeiten, wo wir unser Zelt legal aufstellen konnten, sind wir auf die Pfalz und deren Trekkingplätze gestoßen.

Ich habe im Vorfeld eine Rundtour anhand der vorgeschlagenen Routen zwischen den einzelnen Trekkingplätzen erstellt. Da es leider keine Möglichkeit gab, allein mit den Trekkingplätzen eine Runde zu bilden, haben wir uns zusätzlich für eine Nacht einen Campingplatz gesucht, auf dem wir übernachten würden. Den gleichen Weg zurück wollten wir schließlich nicht laufen.

Gleich zum Start hat uns die Komoot-App leider einen kleinen Streich gespielt und die heruntergeladene Route war, am Parkplatz im Wald angekommen, offline nicht mehr verfügbar. Da es hieß, dass man im Pfälzer Wald nur selten die Möglichkeit erhalten würde, Handyempfang zu haben, konnten wir so keinesfalls starten. Also mussten wir noch einmal zum letzten Ort zurückfahren, wo es eine Netzverbindung gab, dort die Route erneut herunterladen und konnten dann endlich mit unserem Trekkingabenteuer starten.

Wir hatten uns bei unserer Planung im Vorfeld überlegt, dass es ganz schön sei, wenn wir gegen 17 Uhr am Trekkingplatz in Kalmit eintreffen würden. Dann bliebe uns noch genug Zeit, das Zelt in aller Ruhe aufzustellen und ein Abendessen zuzubereiten. Nun, die REalität sah leider etwas anderes aus. Aufgrund mehrerer Staus bei unserer Anfahrt in die Pfalz war unsere Startuhrzeit am Parkplatz 17.30 Uhr. Immerhin hatte Kaito die verregnete Anfahrt für einen ausgiebigen Schlaf genutzt und startete ausgeruht in unser Trekkingabenteuer.

Der Regen hielt die gesamte Fahrt über an und begleitete uns auch auf unserem Weg vom Parkplatz an der Totenkopfhütte bis zum Zeltplatz. Es war bereits leicht dämmrig, als wir nach 4 km in Kalmit eintrafen. Neben einem leichten Nebel umgab den Platz im Wald außerdem eine weitläufige Rauchschwade. Irgendein Mitcamper hatte es sich zur Aufgabe gemacht, im stärker werdenden Regen ein Feuer in der vorgesehenen Feuerstelle zu entfachen. Mehr als einige deutlich erkennbare Rauchzeichen hatte er jedoch nicht hervorgebracht.

Wir bauten recht zügig unser Zelt auf und zauberten dann mit unserem Kocher noch schnell ein kleines Abendessen gezaubert, ehe wir uns in unsere Schlafsäcke eingemummelt haben. Es war mittlerweile recht kalt geworden und der Regen prasselte auf das Zeltdach über uns. Entgegen all meiner Sorgen hielt das Zelt jedoch, was es versprochen hatte und obwohl der Boden zu einer leichten Senke unter uns zusammenlief, hat selbst der Boden jede Nässe vom Zeltinnern ferngehalten.

Im Vorfeld haben wir das Zelt in unserem Garten getestet. Vor allem aus dem Grund, um zu sehen, wie Kaito sich so in dem beengten Raum macht. Er ist nachts nämlich gern für sich. So hatten wir das Problem, dass er die Daunenschlafsäcke und Isomatten ankauen wollte, schon geköst. immerhin wollte er sich in dieser Nacht nicht an unserem Schlafequipment vergreifen. Dafür hat er anderweitig Terz gemacht und wollte partout nicht schlafen. Mein Partner hat sich erbarmt und ist gegen halb elf noch einmal mit Kaito nach draussen. Vielleicht musste er einfach nochmal eine Pipirunde machen. Gesagt getan. Aber kaum waren sie zurück im Zelt wollte Kaito erneut nach draussen und hat vehement am Zeltausgang gekratzt. Man muss an dieser Stelle sagen, dass das Zelt wirklich robust und für Hundebesitzer weiterzuempfehlen ist. Obwohl Kaito sich alle Mühe gegeben hat, gelang es ihm nicht, das Netz am Zelteingang zu zerstören.

Nach einer halben Stunde guten zuredens ist mein Partner erneut mit ihm nach draussen gegangen. Vielleicht brauchte er ja noch eine größere Runde? Wir wollten ja nicht schon in der ersten Nacht ein Malheur im Zelt haben. Nachdem die ersten zehn Minuten vergangen waren und von ihnen immer noch keine Spur der Rückkehr zu erkennen war, habe ich mich auch nochmal eingemummelt und bin nach draussen gegangen. Der Rauch und Nebel hatten sich mittlerweile zu einer undurchsichtigen Suppe vereint und es dauerte etwas, bis ich den Schein der Taschenlampe in einiger Entfernung durch den Wald streifen sah. Kurz darauf erreichte ich die beiden und stellte fest, dass Kaito meinen Parnter wild zwischen den Bäumen hindurchschleifte. Pipi musste er nicht, aber offenbar hatte er gefallen daran gefunden, durch die Gegend zu schnüffeln. Nach weiteren zehn Minuten sind wir zurück ins Zelt. Kaitos Bewegungsdrang gut und schön, aber die Nacht war zum Schlafen da und der nächste Tag versprach noch genug Bewegung.

Es dauerte erneut dreißig Minuten aber schlußendlich hat Kaito sich doch erbarmt und sich auf der Decke neben mir zusammengerollt. Ich war wohl noch nie so froh, ihn schlafend zu sehen …

Wir wurden in der Dämmerung wach. Der Regen prasselte nach wie vor auf unser Zeltdach und versprach uns einen durchwachsenen Tag. Leider musste ich feststellen, dass zwar das Zelt dicht war, unsere Rucksäcke im Vorzelt jedoch trotz Regenhülle innen feucht geworden waren – ebenso wie unsere gesamte Kleidung, die sich darin befunden hatten. Glücklicherweise hatten wir die Klamotten vom Vortag mit ins Zelt genommen und konnten uns so wenigstens trocken einpacken. Nach einem zügigen Frühstück haben wir das tropfnasse Zelt zu unseren feuchten Klamotten in den Rucksack gesteckt und sind losmarschiert.

Auf dem Weg fort vom Trekkingplatz hat uns eine Wildschweinfamilie gekreuzt, glücklicherweise hat Kaito sie erst bemerkt, als der letzte Frischling gerade im Dickicht verschwunden war. Sein Versuch, ihnen nachzurennen wurde kurzerhand unterbunden und wir machten uns auf den Weg zum nächsten Trekkingplatz, der 16 km entfernt lag: Am Herrentisch. Gegen Mittag hat das Wetter glücklicherweise etwas aufgelockert und wir konnten zumindeste unsere Regenkleidung ablegen.

Eine Frage, die uns noch die restliche Tour über begleiten sollte, war die der Wasserbeschaffung. Ich hatte mich im Vorfeld schon darüber erkundigt, wo eventuell Quellen auf unserem Weg oder in der Nähe vorbeiführten, aber die Anzahl war sehr begrenzt. Dafür hatte die Verwaltung der Trekkingplätze mehrfach empfohlen, an Friedhöfen Wasser zu holen. Da unsere Route uns jedoch an diesem Tag durch Lambrecht, eine größere Stadt, führte, beschlossen wir, dort Wasser zu kaufen. Außerdem haben wir uns mit Essen eingedeckt, da der Edeka eine recht gute Auswahl aufwies und wir ohnehin eingeplant hatten, ein paar Mal einkaufen zu gehen. Außerdem musste ich feststellen, dass die Rationen, die ich für uns fürs Wandern im Vorfeld gekauft und eingeplant hatte, deutlich zu klein waren.

Mit neuem Essen eingedeckt, haben wir die letzten Kilometer bis zum Herrentisch zurückgelegt. Bepackt mit neun Litern Wasser entschied sich dann auch noch Kaito dazu, dass er für heute lieber nicht mehr laufen wollte. Also weitere sieben Kilo, die wir durch den Wald bergauf schleppen durften. Man muss aber zu seiner Verteidigung sagen, dass er sich bis dahin wacker geschlagen hatte und uns klar gewesen war, dass wir ihn über mehrere Passagen würden tragen müssen. Für einen Junghund war die angestrebte Kilometerzahl schon sehr viel.

Auf den letzten Kilometer bis zum Herrentisch setzte erneut der Regen ein und wir waren froh, als wir endlich unser Ziel erreicht hatten. Das Zelt war dieses Mal schon schneller aufgestellt und während ich die Luftmatratzen aufpumpte, schlief Kaito schon neben mir im Zelt auf seiner Decke ein. Davon, dass er am Vortag den beengten Raum so schnell wie möglich verlassen wollte, war nun nichts mehr zu spüren. Er war sichtlich froh über die Ruhe, die er hier hatte. Bis ich die Schlafsäcke ausgeschüttelt hatte, war mein Partner schon damit fertig unser Abendessen vorzubereiten und wir haben und uns ins Zelt zurückgezogen und dort unsere gekauften Baguettes, das Hummus und den Käse verspeist. Kaito hat immer mal zwischen seiner Decke und unseren Schlafsäcken hin und hergewechselt und durfte sogar hier und da mal ein Stück Käse abstauben, was ihm sichtlich gefallen hat. Nach einer Runde Karten spielen sind wir dann recht zeitig schlafen gegangen.

Der nächste Morgen begrüßte uns mit etwas besserem Wetter als am Vortag und immerhin konnten wir unser Frühstück draußen im trockenen genießen. Diesmal stimmte das Verhältnis von Porridge und Wasser etwas besser – am Vortag hatten wir eher eine Suppe, die weniger genießbar und wohl noch weniger sättigend gewesen war. Zusammen mit einem heißen Kaffee haben wir uns für die kommenden 17 km gestärkt.

Für Kaito hatten wir im Vorfeld Balf gekauft und auch zuhause getestet, ob er es essen würde. Ganz so begeistert wie zuhause war er hier allerdings nicht mehr davon und es war etwas mühsam ihn dazu zu bewegen, überhaupt etwas zu essen. Nachdem wir erneut das nasse Zelt eingepackt hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Schlafplatz: Frankenstein.

Das Wetter zeigte sich an diesem Tag von einer deutlich besseren Seite und gegen mittag kam endlich die ersehnte Sonne hervor. Auf einer lichten Kreuzung im Wald, auf der mehrere Sitzgruppen platziert waren, breiteten wir unsere nassen Sache aus. Ein Glück, dass nur ein älteres Ehepaar vorbeikam und wir unsere Sachen ungestört trocknen lassen konnten. Das muss wirklich ein Bild gewesen sein, wie überall unsere Pullover, Hosen und nebendran die nassen Zeltteile zum Trocknen ausgelegt waren. Kaito hat die längere Pause zum Ausruhen genutzt und konnte sogar etwas schlafen. Allerdings war jede Fliege und jedes Knacken ein Grund, die Augen erneut aufzuschlagen.

Nach einer Stunde und mit endlich wieder trockenen Sachen ging es weiter zur Burgruine Frankenstein. Dort haben wir erneut eine kleine Rast eingelegt, ehe wir zum Endspurt ansetzten. Unsere Wasserquelle war dieses Mal tatsächlich ein Friedhof, der nur knapp zwei Kilometer vom Trekkingplatz entfernt lag.

In Frankenstein kamen wir das erste Mal auf unserer Tour auch in den Genuss, die Feuerstelle zu nutzen und hatten die Gelegenheit, uns mit anderen Wandernden, die hier mit uns übernachten würden, auszutauschten. In den Tagen davor hatte das schlechte Wetter dafür gesorgt, dass sich jeder recht zügig in sein Zelt verkrochen hatte. Nach einem entspannten Abendessen in netter Runde haben wir uns irgendwann zurückgezogen.

An Tag vier unserer Wanderung ging es nach Ramsen. Die beiden Mädels, die wir am Vorabend kennenlernten und die wir eigentlich am Abend wieder treffen sollten, verkündeten uns leider beim Frühstück, dass sie ihre Tour abbrechen würden. Eine Maus hatte in der Nacht ein Loch in ihr Zelt und den darin befindlichen Rucksack gefressen.

Wir hatten schon in der Nacht davor Bekanntschaft mit einem kleinen Nager gemacht, der vor unserem Zelt unterwegs war. Allerdings hatte das Rascheln der Maus auch Kaito aufgeweckt und sein Knurren war wohl für die Maus Warnung genug gewesen, sich nicht an unserem Zelt zu vergreifen.

Außerdem hatten wir vorsorglich den Rucksack mit Essen in einen Baum in der Nähe gehängt. Wir beschlossen, dass das nicht übertrieben war, sondern in jedem Fall auch in den kommenden Nächten so von uns gemacht werden würde. Wir verabschiedeten uns also von den beiden Mädels und zogen allein weiter.

Dieses Mal waren es nur 14 km. Zum Glück, denn während unserer vierten Tagesetappe war Kaito sichtlich lustlos, was das Laufen betraf. Stellenweise ließ er sich ganz gut motivieren, aber wir hatten erbarmen und haben ihn dann die längste Zeit doch getragen. Schließlich wollten wir nicht, dass er die Lust verlor, indem wir ihn überforderten. Schließlich lagen noch fünf weitere Tage vor uns.

In Ramsen angekommen, waren wir das erste Mal komplett allein auf dem Trekkingplatz. Wir haben dann einen kurzen Blick auf das Buchungsportal geworfen und festgestellt, dass wir auch allein bleiben würden. der zweite gebuchte Paltz würde nicht besetzt werden – schließlich wussten wir aus sichererer Quelle, dass eine Maus diesen Plan durchkreuzt hatte.

Nachdem wir unser Zelt aufgebaut hatten (Kaito konnte es kaum erwarten und wollte schon hinein, ehe die Zeltstangen fertig angebracht waren, haben wir uns noch einmal auf den Weg nach Ramsen gemacht. Wir wollten erneut ein paar Lebensmittel und außerdem Wasser kaufen, dass wir auf dem heutigen Weg nicht anders hatten beschaffen können. Für Kaito haben wir noch eine Wurst gekauft, damit er neben dem Balf und den mitgebrachten Leckerlis noch etwas anderes zum Essen hatte.

Wieder am Zeltplatz angekommen genossen wir unser Abendessen in der Idylle des einsamen Waldes und gingen schließlich wieder recht zeitig schlafen.

Zu Teil 2 geht es hier entlang …

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