9-tägige Trekkingtour in der Pfalz (Teil 2)

Auch die fünfte Nacht im Wald endete am nächsten Morgen, als bereits die Sonne aufgegangen war. Wir hatten uns entschieden, dass wir auf unserer Wanderung den Wecker komplett weglassen würden. Der Rhytmus sollte sich nach dem Sonnenstand und unserer inneren Uhr richten. So waren unsere Nächte deutlich länger als üblich. Was aber wohl zum einen daran lag, dass wir nachts immer wieder wach wurden (mal durch die tieffliegenden Flugzeuge, offenbar hatte man die Trekkingplätze in die Einflugschneise eines Flughafens gelegt; mal durch das Schreien eines Tieres in der Nacht – es hat eine Weile gedauert, ehe wir begriffen, dass es sich hierbei um einen Fuchs handelte oder genauer gesagt mehrere, es sei denn, der Fuchs verfolgte uns auf unserem Weg …). Zum anderen lag es daran, dass wir es sehr genau merkten, wenn das Zelt nicht perfekt eben stand. Die Luftmatratzen waren so rutschig, dass wir schon beim kleinsten Gefälle mit unserem Schlafsack entsprechend in diese Richtung rutschten. In unserer fünften Nacht war es leider so, dass das Gefälle sich in meine Richtung neigte. Glücklicherweise bremste mich der Rucsack, der neben mir im Zelt lag, aus – nur meinen Partner musste ich gelegentlich ein Stück von mir fortschieben.

Kaito war in den Nächten sehr entspannt und bis auf die erste Nacht mussten wir kein einziges Mal mehr mit ihm nach draussen gehen. Eine Gassirunde vor dem Schlafen und direkt frühs nach dem Aufstehen reichte für ihn aus, er passte sich dem neuen Rhytmus super an.

Die kalten Nächte sorgten allerdings dafür, dass auch unser Junghund etwas fror und trotz der Decke, die wir ihm als Unterlage und zum Zudecken mitgenommen hatten, zitterte er phasenweise etwas. Ich habe ihn mir dann geschnappt und mit in meinen Schlafsack gesteckt. Wenn ihm zu warm wurde ist er einfach wieder hinausgekrochen und zurück auf seine Decke – wahlweise hat er dabei die Abkürzung über mein Gesicht genommen. Ab der dritten Nacht kam er dann selbständig an und hat mich mit seiner feuchtkühlen Nase angestupst, wenn ihm kalt wurde. Manchmal hat er sich dann unversehens an meine Schulter gekuschelt. Ansonsten habe ich ihn mir geschnappt und in meinen Schlafsack gesteckt. Nur ein paar Mal war er schneller. Während ich mich gerade aufrichtete, hat er sich in meinem Kopfteil zusammengerollt. Da konnte er dann aber natürlich nicht bleiben, sondern wurde in den Schlafsack verfrachtet. Das wäre sonst eine eher unbequeme Nacht für mich geworden …

An unserem fünften Tag liefen wir von Ramsen aus zum Trekkingplatz bei Imsbach . Leider verlief ein Großteil der Strecke entlang von Feldern, was uns bei den Temperaturen ganz schön zusetzte. Kaito trugen wir an dieseem Tag wieder größtenteils und wir waren recht froh, dass wir uns im Vorfeld noch ein Tragetuch gekauft hatten, wo wir ihn hineinsetzen konnten. So hatten wir die Hände doch etwas besser frei. Die Strecke bis Imsbach sind wir recht zügig gewandert und so absolvierten wir die 16 km bis 15 Uhr.

Endlich am Trekkingplatz angekommen genossen wir die Kühle des Waldes. Der Trekkingplatz lag in einer Senke im Wald und da wir die Ersten waren, suchten wir uns einen schönen Platz für unser Zelt aus. Da wir auf Google Maps einen See in der Nähe ausgemacht hatten, war unser Plan für diesen Nachmittag, uns dort etwas abzukühlen – woraus leider nichts wurde. Der See war nicht viel mehr als ein brauner Weiher, der alles andere als einladend auf uns wirkte. Der Abstieg vom Zeltplatz war also vergeblich gewesen und so nahmen wir wieder den gleichen Weg zurück.

An diesem Abend hatten wir wieder Gesellschaft von einer sechsköpfigen Familie, die wir bereits zwei Tage zuvor kennengelernt hatten und dazu kam noch ein Vater mit seinen beiden kleineren Söhnen. Ein paar nette Gespräche entstanden und wir genossen die Wärme am Feuer, als es um uns herum allmählich dämmerte und kühler wurde. Schlussendlich trieben uns dann aber doch die Müdigkeit und die vielen Stechmücken, die um uns herumschwirrten, ins Zelt.

Am sechsten Tag ging es von Imsbach aus strammen Schrittes zum Trekkingplatz am Drehenthalerhof. An diesem Tag waren es nicht ganz 14 km und so erreichten wir den Platz schon um 14 Uhr. Am Trekkingplatz angekommen genossen wir erst einmal die Ruhe und die Schatten, die dort vorherrschten. Unser Zelt war längst aufgestellt, ein zweiter Kaffee getrunken und das Abendessen verspeist, bis wir Gesellschaft erhielten. Dieses Mal handelte es sich um ein älteres Paar mit ihrem Sohn. Es war schon fast 20 Uhr, als noch zwei Paare eintrafen, doch wir haben uns bald darauf ins Zelt zurückgezogen, da wir wussten, dass der darauffolgende Tag lang werden würde und wir früh starten wollten.

Während die anderen Besucher des Trekkinplatzes noch bis halb zwölf am Feuer saßen, waren wir am nächsten Morgen die ersten, die aus den Federn kamen. Wir waren gerade fertig mit unserem Frühstück, als sich die ersten regten und als wir schließlich aufbruchbereit waren, regten sich auch die letzten Zeltbewohner. Den Kommentar „ob wir immer so früh schlafen gingen“ ignorierten wir geflissentlich, kam er doch von der Familie, die nur zwei Kilometer zum Zeltplatz gelaufen und den gleichen Weg wieder zurückgehen würde.

An diesem Tag lag wieder eine etwas längere Etappe mit 16 km vor uns, die uns durch die Mehlinger Heide führte. Hier begegneten uns zum ersten Mal seit Beginn unserer Wanderung wirklich viele Menschen und man merkte sofort, dass es sich hier um ein touristisch sehr begehrtes Ziel handelte. Da wir mit unserer Route eh schon so gut wie an Mehlingen vorbeikamen, entschlossen wir uns dort einen Kaffee und eine Kleinigkeit für mittags zu holen. Inzwischen hatte unser Kaffeevorrat auch stark abgenommen und es war klar, dass er bei unserem regelmäßigen Konsum sonst wohl nicht ausreichen würde.

Frisch gestärkt machten wir uns dann weiter auf den Weg nach Hochspeyer, wo wir in dieser Nacht unser Zelt aufstellen wollten. Hier würde uns aber kein Trekkingplatz erwarten, sondern ein Campingplatz, den wir im Vorfeld im Internet herausgesucht hatten. Dort angekommen, waren wir positiv überrascht: Der „Campingplatz“ gehörte zu einem Hof, zu dem außerdem eine Swin-Golf-Anlage gehörte. Außer unserem Zelt standen dort aber nur zwei weitere Camper und auch sonst handelte es sich nicht wie erwartet um einen großen Campingplatz sondern eher einen kleinen Familienbetrieb, die ein handvoll Stellplätze für Camper anboten und zudem sanitäre Einrichtungen bereitstellten.

Nachdem wir uns ein Eis im dazugehörigen Café gegönnt hatten, bauten wir das Zelt auf, genossen die erste richtige Dusche seitdem wir losgewandert waren und freuten uns über warmes, fließendes Wasser. Abends sind wir dann noch mal losgezogen und haben uns in einer Pizzeria in der Stadt mit Abendessen eingedeckt, das wir wieder mit zum Campingplatz zurücknahmen.

Die Nacht war ungewöhnlich still und zum ersten Mal seit Beginn unserer Reise wurde ich nachts nicht vom Schreien eines Fuchses geweckt. Den nächsten Morgen ließen wir dann ruhig angehen. Nebel hatte sich über den Platz gebreitet und sich an der Zeltinnenwand niedergelegt. Während wir das Zelt auseinanderlegten und zum Trocknen auf der Wiese ausbreiteten, holte ich uns mit unseren Tassen Kaffee im angeschlossenen Café des Campingplatzes und deckte uns außerdem mit Croissants für das Frühstück ein. Eine angenehme Abwechslung zum täglichen Porridge und richtiger Luxus. In unsere Daunenjacken gehüllt saßen wir am Tisch in der Sonne und ließen den Tag langsam angehen.

Nach einer zweiten Runde Kaffee war dann auch endlich das Zelt trocken, sodass wir zusammenpacken und losgehen konnten. Das Ziel unserer vorletzten Tagesetappe war erneut der Trekkinplatz Am Herrentisch, den wir schon in unserer zweiten Nacht besucht hatten. Kaito überraschte uns bei der Tagesetappe, indem er erstmals komplett ins Wasser sprang und durch einen Bach auf die andere Seite hinüberwatete. Es war dann nur etwas schwierig, ihn wieder auf unsere Seite zurückzubringen und so kämpfte ich mich mit ihm auf dem Arm über einen Stamm auf die andere Seite zurück.

Am Herrentisch angekommen hatten wir an diesem Abend sehr interessante und nette Gesellschaft und erstmals konnten wir uns richtig über das Trekken, Gepäck und Essen unterwegs austauschen. Das war wohl auch der längste Abend, den wir bislang auf unserer Wanderung genossen und es war längst dunkel, bis wir die Gespräche beendeten und das Feuer verließen, um unsere letzte Nacht im Zelt anzutreten.

Am nächsten Morgen brauchten wir den letzten Rest Porridge und Kaffee auf und starteten bald nach Sonnenaufgang, um die letzten 12 km zu unserem Auto zurückzulegen. Der letzte Abschnitt hatte es noch einmal ordentlich in sich und forderte uns mit einigen Höhenmetern gut heraus.

Das Fazit unserer Wanderung?
Ich bin Feuer und Flamme für derlei Urlaube. Allerdings habe ich bereits unterwegs eine Liste erstellt, was überflüssig in unserem Gepäck war (was nicht viel war, so zum Beispiel nur die Flip Flops, die wir nur einmal benutzt haben aber ohne die wir auch gut ausgekommen wäre, oder die Kopfhörer, mit denen ich Musik hören wollte, die ich aber kein einziges Mal genutzt habe; auch das zweite Spielzeug für Kaito war überflüssig – für ihn ist alles interressant, egal ob ein Apfel, ein Tannenzapfen oder ein Stock, den er findet). Außerdem habe ich eine Liste geschrieben, welchen unserer Ausrüstungsgegenstände ich gern erneuern oder optimieren würde. So beispielsweise mein Rucksack. Zwar ist der Deuter nicht schlecht und hat mir in der Vergangenheit immer gute Dienste geleistet, aber mir persönlich ist er zu klobig und das Grundgewicht ist mir zu hoch. Außerdem hat mir der Hüftgurt, obwohl er sehr gut gepolstert war, zum Ende hin ziemliche Schmerzen bereitet, sodass ich ihn auf den letzten fünf Kilometern nicht mal mehr schließen konnte.

Während unserer Fahrt nach Hause haben wir uns jedenfalls schon Gedanken darüber gemacht, wo es als nächstes hingehen soll. Welches Ziel bei unseren Überlegungen herauskam? Das erfährst du im nächsten Blogpost.

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