Unterwegs in Schottland

Teil IV: Glenfinnan bis Fort William

Unsere letzte Woche haben wir dann gleich mit einem Besuch in Fort William gestartet. Kaito durfte erst eine Runde mit uns durch die Stadt drehen und dann haben wir ihn ins Auto zurückgebracht, um in einem Café Mittag zu essen. Inzwischen ist es Kaito schon gut gewöhnt, auch allein im Auto in seiner Hundebox zu bleiben und ist dabei richtig schön entspannt.

Nach dem Stadtbesuch ging es dann weiter zu unserer nächsten Unterkunft in der Nähe von Roybridge, einer Blockhütte etwas abseits. Zur Begrüßung haben wir gleich ein paar Schafe im Garten gehabt – der war nämlich nicht eingezäunt. Von unserer neuen Unterkunft aus konnte man dann richtig schön weiter ins Hinterland und zwischen den schottischen Hügel entlangwandern, was wir dann auch gleich gemacht haben, um Kaito noch etwas auszulasten.

Danach ging es ans auspacken und verstauen. Die Hütte hatte zwei Stockwerke, wobei man über eine offene Wendeltreppe in den ersten Stock gelangte, wo sich ein zweites Schlafzimmer befand. Da uns das obere Schlafzimmer besser gefiel, entschieden wir, dort das Bett zu nehmen und zu sehen, wie das mit Kaito funktionieren würde. Die Treppe hat er jedenfalls nicht betreten, er hat es nicht einmal versucht. Ich glaube, sie war ihm etwas suspekt. Das war aber auch gut so, denn weder waren Hunde auf der Treppe, noch im oberen Stockwerk erlaubt.

Die Nacht war sehr entspannt und Kaito hat ruhig in seiner Box gelegen – zu unserer aller Freude. Offenbar kam er mit neuen Umgebungen mittlerweile viel besser zurecht. Wenn ich da noch an unsere erste Nacht im ersten Cottage zurückdenke …

Den nächsten Tag haben wir genutzt, um eine Runde durch das Glen Nevis Valley zu drehen. Dabei ging es auch am An Steall Waterfall vorbei und über eine Seilbrücke hinüber. Zum Glück hatten wir vorher bei der Routenplanung von der Seilbrücke gelesen, weshalb wir Kaito sein Berggeschirr angezogen haben und neben der Zugleine noch eine Exe und einen Karabiner zu seiner Sicherung mitgenommen haben. Die Wanderung begann dann mit einem wundervollen Ausblick auf das Glen Nevis Valley und verlief entlang des Flusses, der zu unserer Rechten durch die Schlucht gedonnert ist.

Einige Zeit später wurde dann auch der Wasserfall sichtbar, der richtig magisch vor der Bergkulisse wirkte. Dort wartete dann auch die Überquerung der Seilbrücke auf uns. Ich habe zuerst Kaitos Zugleine, die ich am Hüftgurt befestigt hatte, verkürzt und dann am Geschirr eine Exe befestigt. Dann bin ich auf die Brücke hinaufgeklettert und habe mir von meinem Partner Kaito reichen lassen und ihn dann am rechten oberen Seil, das als Handlauf diente, eingehakt. Die ersten Schritte waren noch recht vorsichtig, da ich nicht wusste, wie Kaito reagiert, wenn über ihm Metall über Metall kratzt, aber unser Shiba hat sich ganz entspannt abhängen lassen und keine Anzeichen gezeigt, dass er sich fürchtet. Auf der anderen Seite angekommen war ich wirklich mehr als Stolz auf ihn und als mein Partner bei uns ankam, half er mir wieder dabei, Kaito herunterzuheben. Während unserer Überquerung hatten wir auch reichlich Publikum und drüben angekommen hat uns gleich ein älteres Paar gefragt, ob ich eine Chance sehen würde, ihren Hund rüber zu bringen. Nach einem Blick auf den ca. 30kg schweren Australian Shepherd, der nur ein Halsband trug, musste ich leider verneinen. Mit einem Geschirr wäre es vielleicht noch möglich gewesen, aber ich hätte beim besten Willen nicht gewusst, wie ich den armen Kerl sichern soll.

Auf der anderen Seite haben wir dann noch einen Abstecher bis direkt unter den Wasserfall gemacht und dann ging es weiter auf unserer Runde und das Tal zurück, dieses Mal auf der gegenüberliegenden Seite. Leider war der Boden teils sehr morastig und die Wege mit reichlich Wasser überspült. Ich glaube ich kann es nur noch einmal wiederholen: Wer in Schottland wandern möchte, braucht mindestens ein hohes paar wasserdichte Wanderstiefel. Am besten zwei. Zum Ende der Runde hin durften wir dann noch zwei reißende Bäche durchqueren, wobei wir Kaito über das Wasser gehoben haben und froh waren, dass mein Partner seine Wanderstöcke dabei hatte, durch die wir uns etwas absichern konnten. Durch den steten Regen, der uns zusätzlich durchnässt hat, waren natürlich auch die größeren Steine im Bach nass und teils rutschig. Am Auto angekommen wurde der nasse Hund erst einmal in ein Handtuch gewickelt und dann ging es auch schon zurück.

Am nächsten Tag haben wir eine nicht ganz so lange Runde ab Kinlochleven gedreht, da wir am Tag darauf etwas größeres vorhatten, dazu aber später mehr. Erst einmal ging es für uns zum Grey Mare’s Waterfall, der zwar nicht ganz so imposant wie der am Vortag war, aber trotzdem wunderschön. Wer Lust hatte, konnte über einige Seile und Stiegen noch neben dem Wasserfall hinaufklettern, das haben wir uns aber gespart. Kaito war von dem tosenden Wasser ohnehin nicht so begeistert. Auf unserer Runde hatten wir dann zwischendurch noch einen tollen Ausblick auf den Loch Leven und die umliegenden Berge.

Wie schon angekündigt wurde unsere Runde am darauffolgenden Tag etwas länger. Genau genommen ging es an den Three Sisters vorbei durch das Lost Valley und dann erst auf den Bidean nam Bean und anschließend noch auf den Stob Coire nan Lochan. Damit hatten wir gleich zwei Munros an einem Tag vor uns. Es erwarteten uns neben 11km also auch knapp 1300hm. Ein bisschen Sorge hatten wir wegen dem Knie meines Partners schon, aber da er bei den vorhergehenden Wanderungen keine großen Probleme hatte, wollten wir diese auch angehen. Kaito war wie immer über das Berggeschirr und die Zugleine an meinen Hüftgurt gesichert. So durfte er ziehen, wenn nötig und war aber gleichzeitig auch sicher befestigt, damit ich freie Hände hatte und er keinen Unfug machen konnte (zum Beispiel hinter einem vorbeifliegenden Vogel vom Berg hinunterspringen – und ja, ähnliche Dinge hat er schon versucht; ich hoffe das legt sich noch etwas, wenn er älter wird). Wir selbst hatten uns neben einer Trinkblase mit Regenjacken und Daunenjacken eingedeckt, obwohl das Wetter für diesen Tag gut gemeldet war. Gerade auf dem Gipfel kann es bekanntlich ziemlich kalt werden.

An den Three Sisters vorbei ging es also ins Lost Valley. Leider hat ausgerechnet an diesem Tag unsere App etwas gesponnen und zwar den Routenverlauf heruntergeladen, aber nicht die Karte darunter. Ich kann an dieser Stelle nur jedem empfehlen, das noch einmal vor Antritt der Wanderung zu prüfen, man spart sich dadurch eine Menge Ärger. Wir haben dadurch zweimal nicht gesehen, dass wir den Fluss überqueren mussten und dies dann an eher ungünstigen Stellen nachgeholt. Machbar war es aber trotzdem. Nachdem wir das Tal mit seiner malerischen Landschaft durchquert hatten, ging es recht steil zu einer Senke zwischen dem Bidean nam Bean und dem Stob Coire Sgreamhach hinauf. Von dort aus hatten wir einen unglaublichen Ausblick auf die vielen Bergketten zu beiden Seiten. Ein Anblick, den man so schnell nicht vergisst. Mein Herz schlägt immer schneller, wenn ich die Berge sehe.

Wer noch größere sportliche Ambitionen besitzt (und so viele Munros wie möglich mitnehmen will) der kann dann erst noch zum linken Berggipfel hinaufsteigen, wir sind aber direkt nach rechts weiter zum Bidean nam Bean gewandert. Leider ist dann auch bald darauf der Nebel aufgezogen und hat die Aussicht und die Täler auf beiden Seiten verschluckt. Zu allem Überfluss hat dann auch noch Hagel eingesetzt. Da hatte Kaito dann kurzzeitig die Schnauze voll und ich habe ihn mir kurzerhand unter die Jacke gepackt, um ihn wenigstens ein bisschen zu schützen. Er kommt ja nicht oft angetapst und schaut einen dabei hilfesuchend an, aber in der Situation konnte ich ihn gut verstehen. Am ersten Gipfel angekommen hat sich der Hagel dann glücklicherweise wieder gelegt, der Nebel allerdings leider nicht. Der Weg zum Stob Coire nan Lochan war aber glücklicherweise gut zu erkennen und so ging es ohne Pause weiter.

Auf dem Weg zum zweiten Berggipfel sind uns dann zwei Gruppen begegnet, einmal fünf Männer und dann noch eine ältere Frau und ein älterer Mann mit einem Australian Shepherd (den wir zugegebenermaßen aus der Ferne für ein Schaf gehalten haben, da sein Fell so zottelig lang und weiß war). Auf dem zweiten Munro angelangt, waren wir dann aber ganz allein. Wir haben dann noch eine kleine Pause eingelegt (auch in der Hoffnung, dass sich der Nebel vielleicht doch noch mal legt) und Kaito hat auch etwas zu Essen bekommen. Dann haben wir uns an den Abstieg gemacht. Zumindest haben wir es versucht, denn aufgrund des Nebels hat sich das als einen Mammutaufgabe herausgestellt. Wir haben drei Anläufe an verschiedenen Stellen gemacht und uns dann schon fast damit abgefunden, dass wir (um unserer Sicherheit willen) besser den gleichen Weg zurückgehen werden, als die ältere Frau und der Mann mit dem weißen Australian Shepherd aus dem Nebel bei uns aufgetaucht sind. Sie hatten sich auch entschieden, den gleichen Weg zurückzugehen, nur dass sie den Aufstieg eben von der anderen Seite aus gemacht hatten. Unser Glück und so konnten wir uns den beiden anschließen. Nebenbei hat sich noch ein interessantes Gespräch entwickelt, denn die Frau hatten das Munro Bagging für sich entdeckt (das sammeln der schottischen Berge ab einer Höhe von 900 Metern). Allerdings hatte sie es für sich etwas abgewandelt und der heutige Berg war ihr letztes Ziel auf ihrer Liste von mehr als hundertfünfzig Gipfeln gewesen.

Der Abstieg zog sich dann noch etwas, aber glücklicherweise löste sich der Nebel dann irgendwann auf und wir hatten wieder einen tollen Ausblick, den wir nebenbei genießen durften. Kaito hat bis auf seine kurze Hagelpause alles selbständig erwandert und war ganz begeistert von der Hündin unserer Begleiter – die hat allerdings immer eine Bogen gedreht und war recht selbständig unterwegs. Die drei waren jedenfalls ein interessantes Gespann.

Nachdem wir dann wieder in unserer Hütte angekommen waren, hat Kaito sich nach seinem Abendessen in seine Box verzogen und gar nichts mehr gemacht. Ich glaube, die Wanderung hatte ihn ganz schön geschafft und so ließen wir ihn am nächsten Tag so lange ausschlafen, wie er wollte.

Um halb elf am nächsten Tag kam er dann das erste Mal herausgetapst und ich habe dann gleich mal eine Runde mit ihm gedreht. Wir waren in jedem Fall erstaunt, wie lange er aushalten konnte, ohne raus zu müssen. Es dürften wohl etwas mehr als vierzehn Stunden gewesen sein. Nach einer gemächlichen Morgen-/Vormittagsrunde haben wir Kaito noch ein bisschen Ruhe gegönnt, zwischendrin habe ich etwas mit ihm trainiert, um seinen Kopf auszulasten. Gegen dreizehn Uhr ging es dann wieder los, wir hatten nämlich eine kleine Runde bei Fort Williams geplant. Von dort aus sind wir zum Old Inverlochy Castle in der Nähe gelaufen und haben den Spaziergang ohne große Höhenmeter genossen.

An unserem vorletzten Tag in Schottland sind wir erst zum Glenfinnan Monument und anschließend noch zum Glenfinnan Viadukt gewandert. Wir haben uns allerdings eine größere Runde ausgesucht und sind von etwas weiter weg gestartet. So haben wir uns nicht nur die übermäßigen Parkgebühren gespart, sondern konnten auch noch eine tolle Runde drehen, die unter anderem über den Dragonfly-Steg ging. Ich denke, dass man hier vor allem in den Sommermonaten ziemlich viele Libellen bestaunen kann, jetzt allerdings waren leider keine zu sehen. Das Glenfinnan Viadukt ist vor allem für all diejenigen Interessant, die ein wenig Harry Potter begeistert sind (denn über das Viadukt, das inzwischen eine Bahnlinie verläuft, ist im zweiten 2. Teil der Harry Potter Filme der Hogwarts-Express gefahren). Aber auch ohne lohnt sich ein Ausflug hierher.

Am nächsten Tag haben wir dann schon wieder zusammengepackt und sind zu unserer vorletzten Unterkunft in Carlisle, nahe Dumfries, gefahren. Auf dem Weg dorthin haben wir uns noch ein paar Burgruinen angeschaut, darunter: Sanquhar Castle, Morton Castle und Caerlaverock Castle. Vor allem letzteres ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Allerdings hatten wir auf unserer Schottlandreise etwas Pech mit den ganzen Ruinen, denn sie waren alle abgesperrt, die Begründung: Überprüfung der Bausubstanz. Ich hoffe ja, dass die Bauzäune, die um die Ruinen herum aufgestellt waren, kein Dauerzustand sind.

In Carlisle haben wir uns dann noch unser Abendessen geholt und waren mit Kaito eine ausgiebige Runde spazieren, ehe es ins Hotel ging. Nachdem wir Kaito in seine Box geschickt hatten, haben ihn auch die Geräusche draußen auf dem Gang nicht mehr gestört, glücklicherweise. Ohne Box ist er nämlich bei jedem Geräusch an die Tür und hat dort gebellt (was ich im Hotel furchtbar unangenehm finde).

Die nächsten beiden Tage standen dann ganz im Zeichen der Autofahrt. Wir durften also erst wieder England durchqueren und in Folkestone ging es dann auf den Euroshuttle. Wir haben vorher noch einen Abstecher in den Brockhill Country Park gemacht, der wunderschön mit einem See und Bächen angelegt war. Beim Euroshuttle angekommen mussten wir dieses Mal mit Kaito an der Petstation anstehen, da waren wir vom letzten Mal etwas verwöhnt. Es hat aber trotzdem gut geklappt, obwohl die Hunde ziemlich dicht an dicht in der Schlange standen. Bis es dann auf den Zug ging, hat es leider noch etwas gedauert und wir hatten auch dieses Mal wieder eine Verspätung von dreißig Minuten, als wir in Calais ankamen. Dort haben wir dann noch eine weitere Nacht verbracht und sind am nächsten Morgen nach dem Frühstück in Richtung Heimat gestartet.

Hier geht’s zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3

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